Krischnas Weltengang — Ein indischer Mythos

Ein indischer Mythos
In zwanzig Andachten aus dem
VISCHNUPURĀNAM
übertragen von A. PAUL
Mit einem Geleitworte von
K. E. NEUMANN
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München 1905
R. Piper & Co.
Internet-Ausgabe 2009
buddhavacana.de
Vorwort zur Internetausgabe (2009)
111 Jahre nachdem Karl Eugen Neumann 1898 mit »Krischnas Weltengang — Ein indischer Mythos« seine einzige jemals publizierte Übersetzung aus dem Sanskrit anfertigte — 1905 erschienen unter dem Pseudonym A. Paul zu Ehren und zuliebe seiner Mutter Paula — möchten wir dieses seltene Werk dem interessierten Publikum in Form einer Internet-Ausgabe erneut zugänglich machen.
Es ist dem von uns hochgeschätzten Dr. Hellmuth Hecker — dem „Chronisten des Buddhismus in Deutschland” — sowie einer Reihe glücklicher Umstände zu verdanken, daß es hierzu kommen konnte. Zunächst gelangte, gänzlich unverhofft, Dr. Heckers wundervolles, antiquarisch nur selten angebotenes Buch »Karl Eugen Neumann — Erstübersetzer der Reden des Buddha, Anreger zu abendländischer Spiritualität« in unsere Hände. Angeregt durch die darin enthaltene — spärliche — Information zu diesem weitgehend unbekannten Werk Neumanns, die aufgrund des Fehlens jeglicher inhaltlicher Würdigung den Eindruck vermittelt, auch Dr. Hecker habe dieser Band nicht vorgelegen, begann eine Internet-Recherche — die bereits nach kürzester Zeit wieder beendet war: so gut wie nichts schienen und scheinen die Weiten des Welt-Weiten-Wissensnetzes über »Krischnas Weltengang« preisgeben zu wollen. Nur bei A. Payer fand sich ein Zitat des Hecker’schen Neumann-Buches. Und bei wohl einem Duzend Online-Antiquariaten wurde ein einziges — das offenbar einzige seit langer Zeit im Internet angebotene Exemplar von »Krischnas Weltengang« geführt. Dieses konnten wir, glücklich, erwerben.
Die vorliegende Internet-Ausgabe folgt buchstabengetreu dem Original — einschließlich aller Eigenthümlichkeiten und Variationen der Schreibweise und möglicher Fehler. Die Zeichen á, í, ú wurden als ā, ī, ū wiedergegeben.
Auf Anfrage sind eine PDF-Version des gescannten Buches sowie eine Textdatei im OpenOffice-Format hier erhältlich.
Norderstedt bei Hamburg, Januar 2009
H.G.P
Vorwort zur Originalausgabe (1905)
Die hier von meinem lieben Freunde A. Paul aus dem Vischnupurānam übertragenen zwanzig Kapitel oder Andachten stellen einen kurzen Auszug der heroischen Geschichte Krischnas, des indischen Herakles, dar. Einzelne Strophen aus dem Mahabharatam und anderen Werken sind gelegentlich mit aufgenommen und als solche angemerkt worden. Diese halb sagenhaften, halb geschichtlichen Ueberlieferungen wandernder Barden und Sänger reichen in eine ferne Vergangenheit hinauf. Als Alexander nach Indien zog war das Bild Krischnas von den äusseren Umrissen bis zu den feineren Zügen schon genau so entworfen wie es uns heute entgegenblickt: die uns erhaltenen sorgfältigen Aufzeichnungen des Megasthenes lassen uns Stück um Stück die einzelnen Bestandtheile wiedererkennen; ein schönes Denkmal der gewissenhaften, liebevollen, auf eigene Erfahrung und Anschauung gegründeten Nachforschung des Griechen sowie der sprichwörtlichen Treue der indischen Ueberlieferung. Unsere indischen Urkunden reichen aber noch weit über Alexander zurück, in eine sehr alte, vorbuddhistische Zeit. Im Dezember 1896 hat A. Führer bei Rummin-deī, an der südöstlichen Gränze von Nepāl, die zum Theil noch wohlerhaltenen, in ihren edlen Formen so zu sagen klassisch anmuthenden Fundamente und Ruinen eines Tempels entdeckt, wo die Vorfahren Gotamo Buddhos unter anderen auch der Rukminī ihre Huldigung dargebracht haben: Rukminī aber ist in der Sage die liebste Gattin Krischnas. So dürfen wir als sicher annehmen, dass der Kultus des in ganz Indien so gefeierten und gepriesenen sonnigen Helden im sechsten vorchristlichen Jahrhundert längst in voller Blüthe stand: Krischnas Weltengang hat damaIs, wie auch heute noch, vielen Millionen als Vorbild reichen und reifen Menschenthums gegolten. Dieses Ideal ist dann später, mit der allmälichen Ausbreitung der buddhistischen Lehre, etwas verblasst und hat im Volke, oder bei den Besten des Volkes, eine gewisse Milderung und manche Anpassung an buddhistischen Begriff Ausdruck erlebt: gleichwohl sind genug der ursprünglichen, oft plumpen, oft scharfen und herben Züge erhalten geblieben, die uns heute jenen mächtigen Torso einer fernen Vorzeit bisweilen als allzu übermenschlich erscheinen lassen. Die beispiellose Vielseitigkeit unserer Heldengestalt zeigt aber auch hie und da eine unverkennbare Aehnlichkeit mit einzelnen Mienen des christlichen Heilandes wie er schon in den synoptischen Evangelien auftritt. Welche Seite hier wieder die anlehnende gewesen, kann uns, nach den archäologischen Funden bei Rummin-deī, nicht wohl zweifelhaft sein; abgesehen davon, dass alle wesentlichen und viele der unwesentlichen Stücke der Legende Krischnas der Epoche der alten vedischen Hymnen entstammen.
Wien, 14. September 1904.
Karl Eugen Neumann
Inhaltsverzeichnis:

- Vorwort 1905 & 2009
- Erste Andacht — Der Kampf mit Kāliya
- Zweite Andacht — Das Opfer am Berge
- Dritte Andacht — Glaube, der Berge hebt
- Vierte Andacht — Indras Ankunft
- Fünfte Andacht — Liebe
- Sechste Andacht — Der Stier
- Siebente Andacht — Die Botschaft
- Achte Andacht — Die Begegnung
- Neunte Andacht — Der Einzug
- Zehnte Andacht — Der Ringkampf
- Elfte Andacht — Huldigung
- Zwölfte Andacht — Sieg
- Dreizehnte Andacht — Das Löwenantlitz
- Vierzehnte Andacht — Raub der Rukminī
- Fünfzehnte Andacht — Pradyumnas Jugend
- Sechzehnte Andacht — Im Reiche Narakas
- Siebzehnte Andacht — Aditi, die göttliche Mutter
- Achtzehnte Andacht — Der Wunderbaum
- Neunzehnte Andacht — Schivas Geist
- Zwanzigste Andacht — Vischnus Verklärung
- Nachwort (KEN)
»Krischnas Weltengang« — Internet-Ausgabe 2009









