Über den Willen

o Wille ist, ist keine Ruh’,
wo Wünschen ist, ist immerzu
des Denkens Hin und Her,
das Plagen, Sorgen ohne End’,
mit dem der Mensch sich schier verbrennt
vor Gier nach Gut und Geld.
o Wille ist, hängt Lieb an Leid,
wo Wünschen ist, ist allezeit
des Fühlens Voll und Leer,
das himmelhohe Jauchzen wie
betrübt zu Tode sein und nie
gesichert in der Welt.
o Wille ist, ist Körperlast,
wo Wünschen ist, ist ohne Rast
des Körpers Leicht und Schwer;
die Zentnerlast schleppt man dahin,
mühsam vom ersten Anbeginn,
bis sie sich selbst zerfällt.
o Wille ist, ist Trennung, Schmerz,
wo Wünschen ist, ertrinkt das Herz
schier in des Scheidens Meer;
nie wieder finden läßt sich hier,
was das Vergehen raubte dir,
— nichts ist, was dauernd hält.
o Wille ist, droht Alter, Tod,
wo Wünschen ist, wächst Daseinsnot
mit Süchten immer mehr;
der Durst nimmt zu im Giergenuß
doch immer näher rückt der Schluß,
wo niemand was behält.
Dr. Hellmuth Hecker
DIE EINSICHT, 9. Jahrgang 1956, Heft 1/2









